• Die Chiropraktik ist eine manuelle Therapieform, die in der Tiermedizin im prophylaktischen und im therapeutischen Bereich ihren festen Platz gefunden hat. In allen Disziplinen des professionellen Pferdesports wird sie ebenso routinemäßig angewandt, wie im Freizeitpferdebereich. Auch in der Kleintiermedizin ist sie von großem Nutzen. Jede Nutzungsart eines Tieres bringt ihre speziellen Belastungen mit sich. Ohne ein gutes Management führen diese früher oder später zu Verletzungen und degenerativen Veränderungen, die meistens nicht zufällig entstehen. Idealerweise greift die Chiropraktik ein, bevor Befunde im Röntgenbild erkennbar sind. Der schulmedizinische Hintergrund des chiropraktisch arbeitenden Tierarztes ist essentiell. Er kann beurteilen, ob zunächst weitere Diagnostik erforderlich oder eine manuelle Therapie das Mittel der Wahl ist. Ziel ist eine Zusammenarbeit und Ergänzung der tiermedizinischen Disziplinen, um die Patienten optimal zu managen.

    Die auftretenden Symptome der Patienten sind so vielfältig wie die Ursachen. Sie sind Ausdruck der funktionellen Beeinträchtigung einzelner Bewegungseinheiten, also eines Gelenkes und all seiner zugehörigen Strukturen. Insbesondere die umgebenden Nerven werden durch Bewegungseinschränkungen der Gelenke (oft auch als „Blockaden“ bezeichnet) in Mitleidenschaft gezogen. Dies führt zu vielfältigen Problemen in den umliegenden, von ihnen versorgten Geweben. Der Bewegungsapparat kann davon genauso betroffen sein wie die durch diese Nerven innervierten Organe. Das erklärt, warum auch wiederkehrende Gaskoliken oder Fruchtbarkeitsprobleme durch eine chiropraktische Behandlung gelöst werden können.

  • Der chiropraktische Untersuchungsgang setzt sich zusammen aus einem ausführlichen Vorgespräch (Anamnese), der Beurteilung des Patienten im Stand und der Beobachtung in der Bewegung (Gangbildanalyse). Auch eine Besichtigung an der Longe oder unter dem Sattel kann erforderlich sein. Anschließend erfolgt die statische und die dynamische Palpation (Untersuchung mit den Händen). Die Therapie erfolgt durch kurze, sehr gezielte manuelle Impulse (Thrusts) und Techniken. Eine Nachkontrolle und ggf. Nachbehandlung nach einigen Wochen ist gerade bei länger bestehenden Problemen häufig erforderlich. Sportpferde und -hunde werden oft in regelmäßigen Abständen behandelt, um Verletzungen vorzubeugen. Ein spezielles Aufbauprogramm, ein individueller Trainingsplan und Physiotherapie sind weitere Punkte, die patientenabhängig sinnvoll sein können.

    Die Symptome der Tiere können sehr unterschiedlich sein. Dem Patientenbesitzer fällt vielleicht nur ein Leistungsabfall, eine Taktunreinheit oder ein verändertes Wesen auf. Doch auch handfeste Lahmheiten, ein schmerzhafter und berührungsempfindlicher Rücken, Muskelatrophien, Widersetzlichkeit beim Reiten oder Satteln, „falsche Versammlung“ und Schwierigkeiten in den Seitengängen beim Pferd sind manchmal Ausdruck von Bewegungseinschränkungen. Probleme beim Aufstehen oder Einsteigen ins Auto, ungewöhnlicher Juckreiz, asymmetrisches Schwitzen und Kiefergelenksschmerzen gehören zu den vielen möglichen Auffälligkeiten beim Hund. Dabei profitiert der alte oder etwas übergewichtige Familienhund von einer chiropraktischen Behandlung ebenso wie besonders beanspruchte sportlich geführte Tiere (Jagd, Agility, Schutzhundtraining etc.). An der Leine ziehende Hunde, Show- oder Schoßhunde haben ebenfalls ihre Probleme.

    Die Ursachen sind vielfältig. Beispiele sind eine hohe sportliche Beanspruchung, ein (evtl. wiederkehrendes) Trauma, ein falscher Sattel, ein punktuell belastendes Geschirr oder ein unpassender Beschlag.. Auch eine schwere Geburt, reiterliche Schwierigkeiten, eine Narkose, Zahnprobleme, ein schwieriger Transport, unpassende Haltungsbedingungen oder einfach das Alter des Tieres können die Symptome hervorgerufen haben.

  • Der chiropraktisch arbeitende Tierarzt findet und behandelt die Bewegungseinschränkungen einzelner Gelenke sehr gezielt und mit speziellen Techniken. Die Behandlung erfolgt im physiologischen Bewegungsbereich des Gelenkes. Dabei kommen keine langen Hebel oder großen Kräfte zum Einsatz. Durch die Wiederherstellung der normalen Gelenksbeweglichkeit können die Nerven ihre Impulse wieder unverändert weiterleiten und dadurch auch die Gewebe, Muskeln und Organe ungestört arbeiten. Die Chiropraktik behandelt also mehr funktionelle Störungen als strukturelle Probleme. Ihre Wirkung basiert vornehmlich auf der Beeinflussung des Nervensystems auf Ebene der betroffenen Gelenke (Funktionelle Neurologie). Es werden die Selbstheilungskräfte des Körpers zur Prophylaxe und Therapie von Erkrankungen genutzt. Regelmäßige Chiropraktik minimiert die Verschleiß- und Verletzungsrisiken und erhält dadurch die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere.

    Die Kombination einer chiropraktischen Behandlung mit einer schulmedizinischen Therapie ist sinnvoll und häufig erforderlich. Insbesondere bei der Diagnose und Behandlung von Funktionsstörungen der Wirbelsäule sowie bei vielen akuten und chronischen Schmerzzuständen mechanischen Ursprungs stellt die Chiropraktik eine sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin dar. Nicht selten ist die Diagnosefindung nur mit einer solchen ganzheitlichen Methode möglich, da Röntgenbilder, MRT oder Blutbild unauffällig sind, das Problem aber besteht. Auch bei chronischen Lahmheiten wie Spat, Hufrollenentzündungen oder Sehnenproblemen bei Pferden, Arthrosen, Spondylosen oder Kreuzbandproblemen bei Hunden kann die Chiropraktik als Komplementtherapie sehr geeignet sein.

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